Finger weg! Der Alptraum eines Arbeitstages …

Persönlicher Alptraum

Finger weg! Der Alptraum eines Arbeitstages …

Der amerikanische Investor Warren Buffett ist bekanntlich einer der erfolgreichsten Geschäftsleute und einer der reichsten Menschen der Welt. Überraschenderweise schreibt er über sich und seinen Geschäftspartner Charlie Munger:

„Wir haben nicht gelernt, schwierige Probleme im Geschäftsleben zu lösen. Was wir gelernt haben: sie zu vermeiden.“

Dieser Satz hat uns regelrecht elektrisiert, weil er unsere Einstellung exakt auf den Punkt bringt: Wenn es um Erfolg geht, dann tauchen auffällig oft Begriffe wie Fokus, Konzentration und Zielverpflichtung auf. Aber zum Erfolg gehört auch das Gegenteil, nämlich zu wissen, was man nicht will.

Was ist dein Alptraum-Szenario?

Als wir vor 18 Jahren in unserer Dachgeschosswohnung im 19. Bezirk von Wien unsere eigene Firma gründeten, hatten wir keinen Masterplan und keine Metaziele. Wir wollten nicht innerhalb von fünf Jahren europaweit expandieren und in spätestens fünfzehn Jahren die Weltherrschaft übernehmen. Wir wollten eigentlich überhaupt keine selbstgestellten schwierigen Aufgaben und Probleme lösen, sondern wussten viel genauer, was wir NICHT wollten.

Anders ausgedrückt: Wir hatten noch keine Klarheit über das große JA. Doch was wir vermeiden wollten, zu was wir also laut und deutlich NEIN sagen wollten, das hatten wir auf unserer kleinen, sonnigen Dachterrasse perfekt ausgearbeitet.

Wir hatten uns gefragt: Wie würde unser schlimmster-anzunehmender-Finger-Weg-Alptraum-Arbeitstag aussehen?

Unsere ganz persönliche Finger-Weg-Liste:

1. Lange An- und Abfahrt zum Büro inklusive im Stau stehen
Bloß nicht! Also war klar, dass wir unser Büro an den Wohnort verlegen würden. Dabei blieb es bis heute: Aus dem Wiener Dachgeschoss ist unser Büro, das mittlerweile ein paar Quadratmeter mehr umfasst, in den Souterrain unseres Hauses in Heidelberg gewandert und in Frankreich in die obere Etage unseres Hauses.

2. Ein Arbeitstag, der randvoll mit Meetings ist
Also gibt es bei uns keine Treffen mit Kunden oder Partnern, die nicht auch per Telefon oder Mail erledigt werden können. Diese Abstimmungstelefonate oder Mails bündeln wir dann zu bestimmten Kernzeiten.

3. Auf Netzwerkveranstaltungen rumstehen, um potenzielle Kunden zu akquirieren
Ihr werdet uns darum nicht auf Messen oder Netzwerkveranstaltungen sehen. Niemals. Menschen werden auf uns aufmerksam durch unsere Bücher, Kolumnen, Interviews, unseren Backstage Report und natürlich auch, indem sie uns live und in Farbe auf einer Vortragsbühne sehen.

4. Mit Menschen zu tun haben, die wir nicht mögen oder denen wir nicht vertrauen
Auch wenn wir „nur“ ein blödes Gefühl haben: Wer uns nicht geheuer ist oder mit wem es ganz einfach nicht passt, mit dem wollen wir nicht zusammenarbeiten. Das ist ein absolutes Ausschlusskriterium. Punkt. Welche Sorten Menschen wir noch meiden, haben wir hier schon einmal beschrieben.

5. Fremdbestimmt sein
Wozu sollten wir das volle geschäftliche Risiko tragen, wenn wir am Ende dann doch abhängig von anderen wären? Also haben wir prinzipiell keine Teilhaber außer uns beiden. Keine stillen Gesellschafter. Kein Advisory Board. Wir behalten die Kontrolle über unser Geschäft.

Wenn wir heute all diese Finger-weg-Prinzipien, die wir damals gefunden haben, auf einen Satz verdichten würden, dann wäre das: Damit wir das tun, was uns große Freude macht, ordnen wir unser Leben nicht unserem Geschäft unter, sondern umgekehrt: Das Geschäft richtet sich nach unserem Leben.

Um Missverständnissen vorzubeugen:  Das ist unsere ganz persönliche Liste mit unseren Präferenzen. Eure Liste mag vollkommen anders aussehen – und das ist auch gut so.

Spielraumsuche

Natürlich ist uns klar, dass es einfacher ist, die Rahmenbedingungen festzulegen, wenn man selbst der Chef ist. Aber selbst wenn ihr nicht alle Dinge in eurem Arbeitsalltag vermeiden könnt, die euch nerven, ist es trotzdem eine gute Idee, sehr gründlich darüber nachzudenken, was ihr tatsächlich vermeiden könnt.

Denn jeder hat einen Gestaltungsspielraum. Jeder! – Manch einer einen ziemlich großen oder mancher nur einen kleinen. Aber dieser Gestaltungsspielraum ist da. Oftmals ist er viel größer als wir uns selbst eingestehen. Und den solltet ihr nutzen!

Noch ein letzter Punkt: Einen Gestaltungsspielraum habt ihr auf jeden Fall – und zwar den, euch einen Job oder eine Aufgabe mit Gestaltungsspielraum zu suchen. Wenn euer Arbeitstag randvoll ist mit Dingen, die ihr gerne vermeiden würdet, aber aufgrund äußerer Gegebenheiten nicht vermeiden könnt, dann wäre es vielleicht an der Zeit, sich ein ganz neues Ziel zu setzen: Nämlich das Ziel, einen neuen Job zu finden, der besser zur  persönlichen Finger-weg-Liste passt. Also kein Alptraum für euch ist. Und somit euren alten Job für jemanden freizumachen, der ihn mehr mag als ihr.

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