Querdenken

Ein Freund von uns ist Psychologe und Karrierecoach. Als er uns von einem seiner Klienten im Karrierecoaching und seinem Problem erzählte, war das für uns wie ein Déjà-vu: Ja! Genau das kennen wir! – Wir haben sogar ein Buch darüber geschrieben… 

Neulich sah Anja ein brandgefährliches Video, in dem Klopapier die tragende Rolle spielt. Hört sich skurril an, ist aber ganz einfach erzählt: Anja saß im Rahmen einer Branchenveranstaltung beim Mittagessen in kleinerer Runde mit Unternehmensvertretern aus dem Mittelstand zusammen. Das Tischgespräch drehte sich um das...

Die Zeche Zollverein in Essen war ein fantastischer Rahmen für unseren Workshop – das Nebeneinander von Alt und Neu macht den Reiz der Location aus. Und genau darum ging es auch in unserer Veranstaltung für die gut 250 Mitarbeiter eines Mittelständlers: Nicht alles über Bord zu werfen – also nur auf das Neue zu fokussieren – sondern Bestehendes und Neues intelligent miteinander zu verbinden. Die Mitarbeiter bearbeiteten dazu in Teams verschiedene Themengebiete und entwickelten Lösungsansätze für das Unternehmen. Bevor dann die Teams im Plenum ihre Lösungsvorschläge präsentieren sollten, gingen wir von Team zu Team, um zu hören, ob sie bereit waren für die Präsentation der Ergebnisse. Und was wir da hörten, war wirklich interessant. Es gab nämlich ein Muster: Zwei Sorten von Reaktionen.

Wir konnten ja gut verstehen, dass die beiden Kinder unserer Bekannten nicht bei uns (aus ihrer Perspektive öden und steinalten) Erwachsenen mit am Tisch sitzen wollten. Wir waren ja auch schließlich von ihren Eltern zum Abendessen eingeladen worden und nicht von ihnen. Fair! Nur: Zwar aßen die zwei 17- und 19-jährigen Youngsters nicht mit uns zu Abend, dennoch waren sie ständig anwesend und wollten etwas von ihren Eltern: „Ich finde den Eierkocher nicht. Das nervt total. Wo soll ich denn noch überall suchen?” „Wie soll ich denn meine Hausaufgaben ausdrucken? Kannst du mal schauen … der blöde Drucker funktioniert schon wieder nicht.” „Ich finde meine Hose nicht. Was soll ich jetzt anziehen?” „Adrienne, die blöde Kuh, hat sich den ganzen Tag nicht bei mir gemeldet, obwohl sie es versprochen hat. Was soll ich machen?“ Was soll ich? Wo soll ich? Wie soll ich? … Du lieber Himmel! Was soll das?

Da flattert eine Anfrage herein: Kein Vortrag, wir sollen ein Seminar halten. Auf einem Kreuzfahrtschiff. Eine sehr attraktive Anfrage. Was machen wir? Klar, wir sagen: Nein! Warum? Weil wir schon vor einigen Jahren beschlossen haben, generell keine Seminare mehr zu machen. Das war eine Entscheidung, die uns schon damals nicht leicht gefallen ist. Wir hatten bis dahin Seminare für die renommiertesten Veranstalter gehalten. Und die Seminarorte waren oft auch sehr inspirierend und in tollen Hotels an schönen Orten. Die Seminare waren zudem eine gute Marketingplattform, die uns neue Zielgruppen erschloss. Dennoch! Trotz all dieser guten Argumente haben wir damals auf unser Bauchgefühl gehört und den Schlussstrich gezogen, um uns auf unsere Publikationen und Vortragstätigkeit zu konzentrieren. Für uns fühlten sich die Seminare einfach nicht richtig an. Und das bedeutet: Wenn heute mal wieder eine Anfrage von einem Seminarveranstalter kommt, bleibt unsere Antwort konsequent: Nein!

Wir haben gerade einen Text gekillt. Wir haben ihn gelöscht, obwohl wir bereits mehrere Stunden Arbeit darin investiert hatten. Wir haben ihn nicht überarbeitet oder irgendwie hingedrechselt, was schon gegangen wäre. Nein, wir haben ihn gestrichen. Warum? Weil wir irgendwann gemerkt haben, dass der Text exakt NULL Relevanz für unsere Leser hat. Und damit ist er wertlos. Er hat keine Daseinsberechtigung. Ja, er war handwerklich gut geschrieben. Aber Hauptsache einen nett aussehenden Beitrag veröffentlichen? Nein! Wir sind uns einig: Das dürfen wir nicht! Also: Papierkorb. Löschen. Weg damit!

„So läuft das nicht!“, sagt der Theaterregisseur zu uns. Wir hatten ihn engagiert, um uns zu unterstützen, nicht nur gute Vorträge zu halten, sondern sie auch wirksam zu inszenieren. In der ersten Coaching-Stunde fragt er uns nach unseren Erwartungen. Unsere Antwort: „Wir sind hier, um daran zu arbeiten, noch wirkungsvollere Vorträge zu halten. Also sag uns bitte, was wir tun sollen und wie genau wir das besser umsetzen können. “ Er schaut uns eindringlich an, schüttelt den Kopf, sagt uns, dass es so bei ihm nicht laufe: „Wir müssen gründlicher anfangen!“ Und dann beginnt er zu fragen: „Warum haltet ihr überhaupt diesen Vortrag?“ „Warum erzählt ihr diese Geschichte als Intro?“ „Warum zeigt ihr dieses Bild?“ „Warum wollt ihr …?“ „Warum habt ihr …?“ „Warum macht ihr …?“

Jede Veränderung braucht Veränderer. Das klingt eigentlich ganz logisch - allerdings hat die Sache einen gewaltigen Haken: Denn vom Grundprinzip sind Unternehmen mit ihren Strukturen, Zuständigkeiten und Regeln auf die Bewältigung von Routineaufgaben zugeschnitten. Aber Veränderung ist alles andere als eine Routineaufgabe. Sie durchkreuzt die...