Check yourself

Check yourself - Selbst-Audit

Check yourself

Wer Verantwortung für etwas trägt, das materiell wertvoll ist – wie etwa ein Unternehmen, ein Profit Center, eine Abteilung, ein Haus oder ein Konto, der kennt dessen Zahlen: Marktwert, Umsatz, Kosten, Ertrag, Rendite, Alter, Kapitalverzinsung und so weiter … Im geschäftlichen Alltag verbringt man viel Zeit mit der Sichtung und Prüfung der Zahlen, Daten und Fakten. Financial Audits sind Alltag. Ganz normal. Notwendig.

Was dabei nur leider oft vergessen wird, ist ausgerechnet das Wertvollste für das jeder von uns einhundert Prozent Verantwortung trägt: wir selbst! Hand aufs Herz: Wie viel Zeit verbringst du eigentlich mit deinem persönlichen Audit? Also: Check yourself! Beurteilst du dich regelmäßig selbst, deine Interaktionen, deine Entwicklung? In der Regel geschieht das leider viel zu selten und viel zu unregelmäßig.

Die Guten ins Töpfchen …

Deswegen war Anja gleich Feuer und Flamme, als der Vorstandsvorsitzende einer Genossenschaftsbank ihr erzählte, wie er seine Führungskräfte vor die folgende Challenge gestellt hatte:

Schaut jeden Freitag in euren Kalender und seht euch eure Aktivitäten der vergangenen Woche an und dann kategorisiert eure Aktivitäten – check yourself:

A) Die Blindgänger
Aktivitäten, die nur Zeit gekostet, aber kein Ergebnis gebracht, nichts bewegt, nicht zur Klärung einer Sache oder eines Problems beigetragen haben.

B) Die Zeitfresser
Aktivitäten, die zwar ein Ergebnis gebracht haben oder zur Klärung einer Sache beitragen konnten, deren Zeitaufwand aber in einem disproportionalen Verhältnis zum Ergebnis stand.

C) Die Ausgewogenen
Aktivitäten, die etwas vorangebracht oder eine Entscheidung herbeigeführt haben und bei denen der Zeitaufwand und das Ergebnis in einem gesunden Verhältnis zueinander standen.

D) Die Sternstunden
Aktivitäten, die nicht nur die unter C genannten Dinge erreicht haben, sondern auch noch einen veritablen Erkenntnisschub gebracht oder ein Problem nicht nur gelöst, sondern eine neue oder bessere Vorgehensweise geliefert, einen ganz neuen Möglichkeitsspielraum erschlossen haben, oder oder … In anderen Worten: Aufwand und Ertrag standen nicht nur in einem gesunden Verhältnis (wie bei C), sondern der Ertrag inklusive aller Zusatznutzen hat den Aufwand deutlich überstiegen.

Soweit die Analyse. Danach kommt der nächste Schritt: Kommt ins Handeln! Und zwar so:

A) Die Blindgänger
Streicht die aus eurem Kalender.

B) Die Zeitfresser
Überlegt, wie ihr hier das Verhältnis in eine gesunde Relation verändern könnt, also diese Aktivität von Kategorie B) zu Kategorie C) weiterentwickeln könnt. Wenn das – aus welchen Gründen auch immer – nicht gelingt, dann geht so vor wie bei A): Werft die Aktivität raus aus eurem Leben!

C) Die Ausgewogenen
Macht das weiter so wie bisher!

D) Die Sternstunden
Bitte mehr davon! Überlegt euch, warum diese Termine so fruchtbar waren und versucht, mehr davon zu tun.

Humus für persönliches Wachstum

Das ist ein Selbst-Audit, den wir hilfreich und wichtig finden und den wir selbst auch machen – wenn auch nicht jede Woche und bislang nicht in exakt dieser Form. Allerdings gehen wir in Sachen Selbst-Audit an einer Stelle noch einen Schritt weiter. Für uns geht es nämlich nicht nur darum, immer mal wieder selbstkritisch zu hinterfragen: Wie verbringen wir unsere Zeit?

Sondern, aus unserer Sicht genauso wichtig: Mit wem verbringen wir unsere Zeit?

Um das regelmäßig zu checken, bieten sich zwei Schritte an:

1. Check yourself! Beurteilt euch selbst

Mit wem habt ihr in der im letzten Monat eure Zeit verbracht? Das muss sich nicht nur auf den beruflichen Kontext beschränken, sondern sollte auch den privaten Bereich mit einschließen.

Beispiel: Mit wem habt ihr zu Mittag gegessen während der Arbeitswoche? Waren es die immer gleichen Kollegen oder seid ihr bewusst auch mal aus dieser Routine ausgebrochen?

So wie Peters Professorenkollege aus Wiener Wirtschaftsuni-Zeiten: Er plant seine Mittagessen strategisch. Anstatt immer wieder mit den gleichen Leuten am Tisch zu sitzen, ruft er interessante Leute an und fragt sie, ob sie nicht Lust hätten, mit ihm Mittag zu essen. Eine seiner ersten Fragen am Tisch ist dann immer: „Wer ist eigentlich der interessanteste Mensch, den du in den letzten Monaten kennengelernt hast – und wie kann ich den kennen lernen?“ Und so füllt er Woche für Woche sein Leben mit neuen, spannenden Kontakten.

Oder privat: Wie sieht es mit der Abendeinladung der Nachbarn aus, die regelmäßig kommt, die aber weder interessant noch inspirierend ist, die man aber annimmt, weil man gerade nichts anderes vorhat. Wen könntet ihr stattdessen treffen?

2. Beurteile deinen Umgang mit anderen Menschen

Hier hilft der Selbst-Audit dabei, Klarheit zu gewinnen: Mit wem hast du kürzlich Zeit verbracht? Mit wem möchtest du mehr Zeit verbringen und mit welchen Menschen möchtest du dein Zeitinvestment reduzieren oder vielleicht sogar ganz streichen?

Aber Vorsicht: Dabei geht es nicht um Nutzenmaximierung! Es wäre kein intelligentes Ziel, nur noch Zeit mit Menschen zu verbringen, von denen wir glauben, dass sie uns helfen können oder auf andere Art und Weise nützlich für uns sein könnten. Was wir viel wichtiger und nachhaltiger finden, ist der langfristige Wert des Aufbaus einer gegenseitig inspirierenden und fruchtbaren Beziehung.

Warum ist das so wichtig? Weil wir Menschen soziale Wesen sind. Wir kommunizieren ständig, tauschen Gedanken aus, beeinflussen andere und lassen uns beeinflussen. Jede einzelne Beziehung hinterlässt bei uns Spuren wie die Druckplatte auf dem Papier. Und zwar nachhaltig.

Auch wenn wir es selbst nicht wahrnehmen: Mit der Zeit werden wir so wie die Menschen, mit denen wir uns Tag für Tag umgeben. Umgeben wir uns mit Menschen, die träge und langweilig sind, werden wir auch träge und langweilig. Suchen wir die Nähe von inspirierenden Leuten, die voller spannender Ideen sind, wird auch das auf uns abfärben.

Unser Leben ist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen wir die meiste Zeit verbringen. Diese These stammt von dem Unternehmer und Motivationstrainer Jim Rohn. Sozialwissenschaftler bezeichnen dieses Phänomen als „Peer-Group-Effekt“. Menschen kopieren gegenseitig ihre Meinungen sowie Verhaltens- und Denkweisen.

Schlussfolgerung: Es ist wichtig, sich immer mal wieder zu fragen,

A) wie wir unsere Zeit verbringen und
B) mit wem wir unsere Zeit verbringen.

In ihrem Kern ist jede Entscheidung darüber, was wir tun und mit wem wir uns umgeben – privat oder beruflich –, immer auch eine strategische Entscheidung für oder gegen Innovation, Wachstum und Weiterentwicklung. Je interessanter und je heterogener euer Umfeld, desto prägnanter euer persönliches Wachstum.

Also: Wie gut seid ihr darin? Check yourself!

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