Einladung zur Mitwirkung – Von einer Kultur des Sagens zu einer Kultur des Fragens

Einladung zur Mitwirkung

Einladung zur Mitwirkung – Von einer Kultur des Sagens zu einer Kultur des Fragens

Ein Kunststofftechnikspezialist in Süddeutschland. Peter hält einen Vortrag auf der jährlichen Führungskräftetagung. Vor seinem Auftritt präsentiert die Geschäftsführerin die neue Strategie. Es herrscht gespannte Ruhe im Konferenzraum. Die Teilnehmer hören aufmerksam zu, machen sich Notizen, nicken mit den Köpfen, runzeln zwischendurch die Stirn – und dann passiert es:

„Was deutet darauf hin, dass wir mit dieser Strategie nicht auf dem richtigen Weg sind?“

Mit diesem Satz beendet die Geschäftsführerin ihre Präsentation. Wumms. Peter ist sprachlos. Erwartet gesenkte Köpfe, Blicke auf Notizblöcke, den Boden…

Aber weit gefehlt. Es beginnt eine engagierte Diskussion.

Mitarbeitende zum Mitwirken einladen

„In den meisten Unternehmen herrscht eine Kultur des Sagens. Wir pflegen eine Kultur des Fragens“, erklärt die Geschäftsführerin Peter später auf seine Frage nach dem Beweggrund für die Abschlussfrage.

Und das bedeute, immer wieder nachzuforschen, was die Leute, die eine andere Meinung haben, zu sagen haben. Das sei die Kultur im Unternehmen und die Aufgabe jeder Führungskraft und jedes Teamleads: Mitarbeitende zum Mitwirken einzuladen.

Was für ein starker Gedanke: „Mitarbeitende zum Mitwirken einladen“.

Was Unternehmen brauchen, sind Selberdenker, die mit intelligenter Reflexion und konstruktivem Hinterfragen der gemeinsamen Sache dienen.

Uns hat diese Einladung zur Mitwirkung so begeistert, dass wir euch folgende Punkte mit auf den Weg geben möchten. Auf den Weg von einer Kultur des Sagens zu einer Kultur des Fragens:

1. Die Einladung zur Mitwirkung ist Führungsaufgabe

Je heftiger der Wandel im Marktumfeld, desto mehr müssen wir uns von dem Trugbild lösen, wir könnten den Weg mit abschließenden Antworten gehen. Die Gegenwart ist kein statischer Zustand, sondern eine Bewegung. Und im Zustand der Bewegung gibt es keine einfachen oder einzig richtigen Antworten. Das erfordert ein Umdenken bei allen Beteiligten. Antworten weisen uns nicht den Weg in die Zukunft. Wer also nicht gelernt hat, kluge Fragen zu stellen, steht ziemlich dumm da.

Amy Edmondson – Professorin für Leadership und Management an der Harvard Business School – nennt es “proaktives Nachfragen”. Damit meint sie das gezielte und absichtsvolle Nachfragen, um mehr über ein Thema, eine Situation oder eine Person zu lernen. Menschen immer wieder auf diesem Weg zur Mitwirkung einzuladen, ist Führungsaufgabe.

2. Die Einladung zur Mitwirkung gibt Menschen Sicherheit

Was nützen die besten Mitarbeitenden, die die besten Ideen haben, wenn sie den Mund nicht aufmachen? Unternehmen, die nicht am Gestern kleben, tun deshalb gut daran, ihre Leute nicht nur zum Mitarbeiten, sondern auch zum Mitwirken einzuladen – und das schließt kritisches Mitdenken ausdrücklich mit ein. Die Einladung zum Mitwirken gibt Mitarbeitenden Sicherheit.

Diese Sicherheit ist etwas ganz Handfestes und ist nötig, damit alle Beteiligten es als ihre Aufgabe ansehen, über den Tag hinauszudenken. Gerade in hierarchischen Strukturen ist das keine Selbstverständlichkeit und sollte unterstützt werden.

3. Eine Kultur des Sagens wird oftmals präferiert

Fragensteller sind Weichensteller. Soweit das Ideal. Am Ende hat die Sache aber einen menschlichen Haken: Das Ego. Gebe ich mir als Chef nicht eine Blöße, wenn ich zugebe, dass ich nicht alles weiß, nachfrage oder mich gegebenenfalls auch auf Diskussionen einlasse?

In vielen Unternehmen gibt es deswegen nicht eine Kultur des Fragens, sondern eine Kultur des Sagens. Dummerweise sind es aber gerade die Fragen, die uns voranbringen. Man kann nichts Neues herausfinden, wenn man nicht vorher eine Frage stellt.

Wir haben es mal so beschrieben: Fragen öffnen Türen. Und offene Türen stellen Verbindungen zwischen Menschen her.

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4. Neun Merkmale wirkungsvoller Fragen

Wie sehen nun gute Fragen aus, die erstens zur Mitwirkung einladen und die zweitens zu wertvollen Antworten führen, die Organisationen und Teams voranbringen?

Die World Café Organization – genau die, die die Workshopmethode „World Café“ entwickelt hat – hat ein ganzes Buch über gute Fragen geschrieben: „Art of Powerful Questions (pdf)“. Eine wirkungsvolle Frage

  • erzeugt Neugier beim Zuhörenden
  • stimuliert reflektierende Gespräche
  • regt zum Nachdenken an
  • lässt tieferliegende Annahmen sichtbar werden
  • lädt zu Kreativität ein und dazu, neue Möglichkeiten zu erschließen
  • generiert Energie und Vorwärtsbewegung
  • kanalisiert die Aufmerksamkeit und fokussiert das Nachforschen
  • berührt einen tiefen Sinn
  • ruft weitere Fragen hervor.

5. Unsere Lieblingsfrage

„Was sagen Leute mit gegenteiliger Meinung dazu?“ Diese Frage stellen wir uns selbst, wenn wir von einem eigenen Vorhaben allzu begeistert sind – und wir stellen sie Partnern, wenn diese uns ihre Ideen voller Begeisterung vorstellen. Und wir empfehlen dir, sie immer mal wieder im Vorfeld wichtiger Vorhaben zu stellen.

Nach gegenteiligen Meinungen zu fragen, ermöglicht es, den Entscheidungsprozess zu durchleuchten. Hast du überhaupt Alternativen in Betracht gezogen? Hast du deine Annahmen auch wirklich hinterfragt?

Eine interessante Möglichkeit ist es, dauerhaft eine Gruppe solcher kritischen Individuen zu installieren, die über strategische Weitsicht verfügen und gleichzeitig kein Problem damit haben, ihre Meinung deutlich und auch gegen vorherrschende Überzeugungen zu äußern. Google macht das mit seinen sogenannten Kanarienvogelgruppen. Diese Gruppen sind kritische Fokusgruppe und Frühwarnsystem in einem. Sie bieten den Andersdenkern den notwendigen Raum und sorgen für das kritische Hinterfragen im Vorfeld von wichtigen Entscheidungen.

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„Mitarbeitende zum Mitwirken einzuladen“ – wir haben uns in dieses Konzept ein Stück weit verliebt. Verliebt, weil es so wertschätzend ist und weil es Menschen ermutigt, ihre Initiative, Kreativität und Leidenschaft bei der Arbeit einzubringen. Gleichzeitig verändert es die Unternehmenskultur von einer Kultur des Sagens zu einer Kultur des Fragens.

Albert Einstein hatte Recht: „Das Wichtigste ist, dass man nicht aufhört zu fragen“.

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