Gute Ideen sind schlechte Investitionen

Gute Ideen sind schlechte Investitionen

Gute Ideen sind schlechte Investitionen

Gute Ideen sind schlechte Investitionen

Eigentlich dachten wir, dass Michael Schrage ein kluger Kopf sei. Er ist immerhin einer der renommiertesten Innovations-Experten weltweit, forscht am MIT Center for Digital Business und ist der Autor einiger extrem lesenswerter Bücher.

Aber da sagte er etwas, das uns gelinde gesagt Stirnrunzeln bereitete:

„Eine Fokussierung auf gute Ideen fügt guten Managern und guten Unternehmen gleichermaßen Schaden zu … Gute Ideen könnte man besser als die leeren Kalorien der unternehmerischen Innovation beschreiben: leicht zugänglich, schmackhaft und vorübergehend befriedigend. Aber sie sind nicht gut. Sie machen krank.“

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Gute Ideen sind nicht gut?
Leere Kalorien?
Also wie Kuchen, Kekse, Eis – lecker aber ungesund, jedenfalls bei regelmäßigem Konsum.
Und er vergleicht Ideen damit?
GUTE Ideen sollen für Unternehmen das gleiche sein wie Süßigkeiten für Menschen?

Aber Michael Schrage ist keiner, der sich mit einer steilen These in Szene setzen möchte. Also haben wir nachgedacht, was er damit meinen könnte …

Ideen und Kreativität sind Schlagworte

Erst mal ganz generell: Ideen sind Dutzendware. Das stimmt. Im Internet schwirren Millionen von Ideen herum: auf Blogs, in Podcasts, in Youtube-Videos, in TED-Talks. Es gibt keinen Mangel an Ideen. Wo Menschen sind, gibt es Ideen.

Aber eine Idee ist ja auch zunächst nichts anderes als ein Geistesblitz, ein kreativer Funke. Um wertvoll zu werden, braucht es außer der originellen Idee auch noch die praktische Form. Ersteres erfordert kreatives und schöpferisches Denken. Zweiteres erfordert konzentrierte und oftmals anstrengende Umsetzungsarbeit.

Auf Unternehmen bezogen: Ideen und Kreativität sind Schlagworte, an die sich überall enthusiastische Erwartungen heften. Heute mehr denn je. Jeder spricht davon, keiner mag sie missen.

Und ja, es ist richtig, dass frische Ideen Ausgangspunkt für Innovation und damit auch für die Zukunft des Unternehmens sind. Ein Unternehmen braucht zuerst die Ideen, die dann anschließend zu neuen wertschöpfenden Produkten und Dienstleistungen entwickelt werden. Landauf, landab werden in den Unternehmen also Ideenworkshops durchgeführt, es gibt Ideenboxen, Ideen-Cafés – und dann?

Von der Pinnwand in den Mülleimer

Dann werden die Ideen auf großen Pinnwänden zusammengefasst und dann passiert … nichts. Was aber notwendig wäre: den Raum der Ideen zu verlassen und den Raum der Umsetzung zu betreten!

Genau das meint Michael Schrage, wenn er davor warnt, dass es Zeit- und Geldverschwendung sei, sich in Innovationsprozessen an guten Ideen festzuklammern. Sein Vorschlag: Ideen in Hypothesen umwandeln und diese in einfachen und kostengünstigen Experimenten überprüfen.

Was Unternehmen brauchen, sind sehr frühe, sehr schnelle, sehr kostengünstige Experimente, um mit geringem Risiko herauszufinden, welche der vielen vorhandenen Ideen überhaupt etwas taugen. Um erst danach dann die übrig gebliebenen Ideen mit dem Einsatz von Ressourcen weiterzuentwickeln und umzusetzen.

Michael Schrage lenkt mit seiner Aussage den Fokus weg von den Ideen und hin zu einer konkreten, praktikablen Methode, die direkt zur Umsetzung führt. Und diese Methode heißt „5×5“ – und wir finden sie extrem spannend!

Die 5×5 Methode

Ihr stellt im Unternehmen 5 Teams zusammen mit jeweils 5 Personen, die nicht mehr als 5 Tage Zeit erhalten, um ein Portfolio von je 5 Experimenten pro Team zu entwickeln, deren Durchführung nicht länger als 5 Wochen dauert und nicht mehr als 5.000 Euro kostet. Wumms!

Wir finden diesen Ansatz so gut, dass wir euch ans Herz legen wollen, ihn für euch zu adaptieren. Und zwar aus diesen vier Gründen:

1. Die 5×5 Methode ist einfach zu erklären

Ein Satz reicht aus, um das Vorgehen zu beschreiben und zu erklären. Und wenn du es einmal gelesen hast, dann hast du es auch gleich kapiert und kannst es jemand anderem erklären. Du brauchst kein Seminar, kein Coaching, keinen Berater.

2. Die 5×5 Methode geht sofort zur Sache

Statt denken, planen, mal schauen, geht es sofort in die Aktion: Das Ganze ist zeitlich eng getaktet. 5 Experimente in 5 Tagen in 5 Wochen umgesetzt. Diese Einschränkungen fördern die Kreativität, denn Kreativität liebt Einschränkungen. Und es ist eine Art doppelter Wettbewerb: Erstens wetteifern die verschiedenen Teams miteinander, wer die vielversprechendsten Experimente ins Rennen schickt und zweitens sind ja auch die 5 Experimente von jedem Team miteinander im Wettbewerb. Der Witz dabei: Die Beteiligten lassen schneller ein Experiment los, das nicht funktioniert, weil sie noch ein paar andere im Köcher haben, statt es vielleicht störrisch weiterzuverfolgen, um nicht blank dazustehen.

3. Die 5×5 Methode ist gleichzeitig leichtgewichtig und schlagkräftig

Mit diesen Worten beschreibt es Michael Schrage selbst: lightweight and high impact. Das bedeutet, dass der Hebel enorm ist: Der Einsatz von Zeit, Geld und Arbeitsstunden ist relativ gering, während die Ergebnisse für das Unternehmen von extremer Relevanz sein können. Aus 5.000 Euro Einsatz können 5 Mio. Euro Wachstum werden.

4. Bei der 5×5 Methode ist nichts in Stein gemeißelt

Die Kernidee lässt sich beliebig variieren. Du willst keine 5 Teams? Dann nimm 2! Du willst keine 5.000 Euro pro Team investieren? Dann nimm 2.000 Euro!
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Actions beyond words

Nochmal kurz zurück zum Anfang: Werden also Ideen überbewertet?
Sind eher die Experimente (und nicht die Ideen!) das Kernstück von Innovation?
Sind gute Ideen wie leere Kalorien?

Wir denken: nein!

Schrage ist wirklich ein guter Autor. Aber dieser Satz ist uns trotzdem zu zugespitzt. Ideen und Experimente gehören zusammen wie Asterix & Obelix, Black & Decker, Tom & Jerry. Im Idealfall gibt es einen konstanten Austausch zwischen Ideen und Experimenten.

Die Suche nach guten Ideen bleibt für den Innovationsprozess unerlässlich, denn ohne richtig gute Ideen wird es auch keine richtig guten Experimente geben. Wer nicht gut im Ideenfinden ist, wird auch nicht gut im Experimentieren sein. Ein gut gemachtes Experiment kann aus einer wenig inspirierenden Idee keine großartige Innovation zaubern.

Aber dennoch: Den Fokus mehr auf Experimente zu richten, um vom Denken ins Handeln zu kommen, das finden wir goldrichtig. Darum empfehlen wir dir wärmstens: Befass dich mit dem 5×5-Tool – und lies das Buch von Michael Schrage: „The Innovator’s Hypothesis: How Cheap Experiments Are Worth More than Good Ideas“

Und zusätzlich möchten wir noch zwei persönliche Hinweise von uns drauflegen.

Erstens: Stichwort Freiwilligkeit

Wenn ihr Experimente macht, achtet darauf, dass die Teilnahme freiwillig ist. Legt die Sache so an, dass eure Leute Lust haben, ladet sie ein und lasst sie sich selbst melden. Denn Kreativität kann man nur zulassen, man kann sie nicht verordnen!

Und zweitens: Stichwort Zeitressourcen

Die Arbeit an den Experimenten ist zusätzliche Arbeit. Der Tag verlängert sich dadurch nicht von 24 auf 36 Stunden! Das bedeutet: Wer mitmacht, braucht Zeitressourcen dafür. Und diese Zeitressourcen sind nicht die nach Feierabend!

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Aller Erfahrung nach scheint das nicht selbstverständlich zu sein, darum nochmals ganz deutlich: Wer sagt, dass das Tagesgeschäft dafür keine Zeit lassen würde, kann die 5×5-Methode vergessen. Denn wenn dafür keine Zeit ist, dann gibt es keine Priorität für Ideen und Experimente – also keine Bereitschaft, in die Zukunft zu investieren!

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