Die fünf größten Innovationsmythen

5 Mythen Innovation

Die fünf größten Innovationsmythen

Innovation ist in ihrem Kern eine Geisteshaltung, für die man sich entscheiden muss.
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Die Zutaten: Pioniergeist + Entdeckungsfreude + Mut, etwas zu riskieren.

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All das kann nicht per Seminar, Arbeitskreis oder anderen Absurditäten der Angestelltengesellschaft heraufbeschworen werden, sondern ist dort zu Hause, wo mutige und engagierte Menschen gemeinsam Neues vorantreiben.

Deshalb liebt Anja ihren Job als Jurymitglied der Top 100. Diese Arbeit macht sie seit vielen Jahren und ist jedes Jahr aufs Neue fasziniert, mit welcher Ausdauer und Innovationslust, gepaart mit Pragmatismus, die Preisträger zu Werke gehen.

Was unterscheidet diese Menschen von all denjenigen, die zwar viel über Innovation reden, dann aber die PS nicht auf die Straße bringen? Oder andersrum gefragt: Welche weitverbreiteten Glaubenssätze und Denkschemata behindern Innovation?

Dazu haben wir fünf Mythen destilliert, die uns in der Praxis am häufigsten begegnen:
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Mythos #1: Innovation ist etwas ganz und gar Neues

Realität

Dort, wo der Glaubenssatz regiert, dass Innovation etwas ganz Neues sein muss, ist auch der passende Killersatz schnell zur Hand: „Das ist doch nichts Neues!“ – der todsichere Weg, jegliche neue und halbwegs frische Idee sofort plattzumachen.

Die völlige Überhöhung des noch nie dagewesenen ist wenig hilfreich. Was Innovation nicht braucht, sind Besserwisser, die durch sofortiges Aburteilen alles niederreden. Das ist eine Kulturfrage! Und genau das gehört zur Innovationskultur: Die Freiheit, Ideen nicht sofort abzukanzeln, sondern genauer hinzuschauen.

Innovation kann auch eine Re-Kombination bereits vorhandener Elemente sein, die in dieser neuen Mischung einen ganz neuen Wert schaffen. Der Ökonom Martin Weitzman bezeichnet das Ergebnis als „Recombinant Growth“. Er weist darauf hin, dass Innovationen niemals aufgebraucht sind. Natürlich kann man Penicillin nur einmal entdecken, aber im strengen Sinne ist das auch keine Innovation, sondern eine Entdeckung. Weitzman spricht von „Seed Ideas“, von Ideenkeimen, die unerschöpfliche Neukombinationen ermöglichen.

Ein Beispiel: Seit es das Internet gibt, gibt es auch digitale Karten. Das ist der erste Baustein. Seit es Navigationsgeräte gibt, sind GPS-Daten frei verfügbar. Das ist der zweite Baustein. Soziale Netzwerke gibt es, seit sich Facebook, TikTok, Snapchat, Twitter, LinkedIn, Instagram & Co.in rasender Geschwindigkeit verbreitet haben. Das ist der dritte Baustein. WAZE ist die Neukombination dieser Elemente zu einer Navigations-App. Daran ist nichts Neues. Aber es ist eine gelungene Innovation!

Jeder Koch, jeder Maler, jeder Musiker weiß das: Die Zutaten, die Noten, die Farben sind immer die Gleichen. Aber das Ergebnis kann immer wieder neu und einzigartig sein – je nach Qualität von Rezept und Ausführung.

Was für Köche und Künstler gilt, das gilt auch für Unternehmen: Wert entsteht, wenn aus Ideen neue Kombinationen entstehen und diese in nützliche Anwendungen übersetzt werden.
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Mythos #2: Mitarbeiter interessieren sich zu wenig für Innovation

Realität

Die Klage darüber, dass die Mitarbeitenden zu wenig Ideen einbringen würden, hören wir häufig in Gesprächen mit Führungskräften. Unsere Antwort: Wenn du etwas ändern willst, dann fang beim institutionellen Rahmen an – und nicht bei der Pauschalaufforderung, dass die Mitarbeitenden bitte ihre Einstellung ändern und mehr innovativen Drive entwickeln sollen.

Menschen sind nicht blöd. Ganz im Gegenteil: Sie verhalten sich stets systemintelligent – passen sich ihrem Umfeld und dessen Gepflogenheiten an.

Deshalb ist der erste Schritt nicht der ausgestreckte Zeigefinger „ihr sollt euch ändern und mehr Ideen einbringen“ – sondern die Frage: Welche organisatorischen Gegebenheiten befördern eine krasse Absicherungsmentalität? Welche Führungsmechanismen verhindern Wagemut und kreatives Problemlösen? Konkret: Wie sind die Bonus- und Beförderungssysteme gestrickt? Was wird belohnt? Und: Wie reagiert die Führungskraft, wenn was daneben geht?

Nicht das, was gesagt wird, entscheidet, sondern das, was getan wird, wenn ein Fehlschlag passiert.
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Mythos #3: Innovation braucht externe Anreize

Realität

Wer darauf hofft, mithilfe eines Innovationspreises, eines ausgeklügelten Bonussystems oder anderen Anreizen dafür zu sorgen, dass die Mitarbeitenden plötzlich zu innovativen Wunderwuzzis werden und die Ideen nur so purzeln, wird eine herbe Enttäuschung erleben. Wer Innovation zum Normalfall machen will, sollte nicht incentivieren, sondern überzeugen.

Innovation brauchen Selbstdenker. Menschen, die bereit sind, sich mit neuen Ideen einzubringen. Eine Organisation, die für sich beansprucht, zukunftsfähig zu sein, kommt ohne sie nicht aus!

ABER: Jahrzehntelang hat man in Unternehmen Menschen gesucht, die gut passen und sich möglichst stromlinienförmig in die Strukturen einpassen. Und plötzlich lautet die Ansage: Seid mutig! Wagt auch mal was! Denkt innovativ! Hinterfragt den Status quo!

Kann eine Personalabteilung das fördern? Können die Leute per Assessment-Center herausgefiltert werden? Helfen dabei Modelle, Programme oder Boni?

Das ist totaler Quatsch! Es geht nicht darum, per Anreizsystem eine Prise Mut und frisches Denken anzuleiern und zu hoffen, dass das alle Probleme lösen würde. Entscheidend ist, dass man erwachsene Menschen erwachsen sein lässt, ihnen Freiraum gibt und Vertrauen. Gute Leute wollen wie Erwachsene behandelt werden!

Oder um es in den Worten von Gary Hamel zu sagen: „Adults enjoy being treated like 13-year olds even less than 13-year olds.

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Mythos #4: Wir fördern Kreativität per Ideencafé und anderen Maßnahmen und dann sind wir auch innovativ

Realität

Nichts gegen Unternehmen, wo Tischkicker, Sitzwürfel und das Ideencafé zur Grundausstattung gehören ebenso wie eine flachgeklopfte Hierarchien und frisches Bio-Obst. Das alles ist fein. Es bringt das eingerostete Getriebe schon mal in Bewegung und erste, niedrig hängende Früchte können geerntet werden.

Also: Alles lobenswert!

Aber: dann muss es weitergehen!

Innovation bedeutet die Bereitschaft zu beständiger Infragestellung und zu Experimenten. Das heißt, die Forderung nach Interdisziplinarität und Kreativität ernst zu nehmen.

Allerdings sind Organisationen um das Ausblenden von Kreativität herumgebaut. Das Wesen der Organisation ist das Regelhafte, Wiederholbare, Skalierbare. Auch mit der Interdisziplinarität hapert es häufig, weil immer noch viel zu viel Silodenken vorherrscht.

Aber: Kreativität folgt nicht der Regel, hört nicht auf Kommandos, sondern lebt von Freiheiten. Kreativität lässt sich nicht bestellen, sondern nur erlauben!

Dabei hilft nur der ernsthafte Wille, ein Klima in der Organisation zu schaffen, das Kreativität wahrscheinlicher macht. Ein Klima, das erlaubt, alte Überzeugungen offen infrage zu stellen und das Zweifeln am Weiter-So-Modus als produktiv gilt. Wo auch Probleme zugelassen sind, die keine sofortige Lösung haben.
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Mythos #5: Eingespielte Teams arbeiten am besten

Realität

Wer lange zusammenarbeitet und extrem viel Erfahrung in einer Branche und einer Funktion hat, wird sehr routiniert. Und Routine führt zu Effizienz – nicht aber zu Innovation.

Wer neues und frisches Denken will, sollte interdisziplinäre und neu zusammengestellte Teams fördern, anstatt auf diejenigen zu setzen, die schon ewig zusammenarbeiten und gut harmonieren. Interdisziplinarität ist notwendig, um sich aus der Umklammerung des Vertrauten zu befreien und die Dinge auf eine ganz neue Art zu betrachten.

Die Kunstgeschichte bietet dafür reichlich Anschauungsmaterial: Jede grundlegende Neuerung in der Kunst, wie beispielsweise der Impressionismus, der Kubismus oder die Postmoderne, basiert auf einer neuen Vorstellung von der Welt. Es waren nicht die Leinwand, die Farben, die Pinsel, die sich verändert haben, sondern die Art, wie der Künstler die Welt wahrgenommen hat.

Genau dieser unverstellte Blick ist ein Innovationsförderer der Extraklasse. Eine Innovationskultur, die diesen Namen auch verdient, ist eine inklusive Innovationskultur, die auf alle geistigen und kreativen Ressourcen zurückgreift.

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Vielleicht sollten wir aufhören, das Geheimnis hochinnovativer Höchstleistung entschlüsseln zu wollen. Das Neue hätte es schon leichter, wenn ihm nicht gar so viele Steine in den Weg gelegt würden.

Mehr Vertrauen in die Kraft der kreativen Neukombination wäre zum Beispiel hilfreich.

Mehr Mut zu beständiger Infragestellung und zu Experimenten und weniger Absicherungsbürokratie wäre wünschenswert.

Vor allem aber mehr Toleranz dem Ungewohnten und Anderen gegenüber. Das sorgt im Zweifel nicht nur für Besseres, sondern auch für einen deutlich offeneren Blick auf das Neue.

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Bayreuther Ökonomiekongress

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