Was das Jonglieren uns fürs Leben lehrt

Jonglieren - Experimente - Fehler

Was das Jonglieren uns fürs Leben lehrt

Peter war in einem früheren Leben ein Zirkuskünstler. Das vermuten wir jedenfalls. Das könnte nämlich die Erklärung dafür sein, warum ihn das Jonglieren so sehr fasziniert. Kein Jongleur in der Fußgängerzone, wo er nicht stehenbleibt und Geld in den Hut wirft. Und natürlich hat Peter irgendwann selbst jonglieren gelernt … und ist dann darauf gekommen, dass sich vom Jonglieren sehr viel für das Leben und den Unternehmenserfolg lernen lässt:
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Lektion Nummer 1: Werfen ist wichtiger als fangen

Die meisten Anfänger denken, dass das Entscheidende beim Jonglieren das Fangen der Bälle sei. Beobachtet man Leute, die jonglieren lernen, wird genau das offensichtlich: Sie machen alle möglichen Verrenkungen, um die Bälle zu fangen. Wer aber den Könnern zuschaut – beispielsweise in der Fußgängerzone, der erkennt, dass deren gesamter Fokus auf dem gleichmäßigen In-die-Luft-werfen liegt.

Die Fähigkeit, gut werfen zu können, hat zur Folge, dass sich das Fangen praktisch von selbst erledigt. Wer hingegen seinen gesamten Fokus auf das Fangen richtet, muss feststellen, dass die Würfe dadurch schlechter werden und dadurch wird das Fangen schwieriger, wodurch die Würfe noch schlechter werden – auf diese Weise setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang, aus der man nicht mehr herauskommt, und die Bälle werden ratzfatz auf dem Boden liegen.

So, und an was erinnert uns das? Da sind erstaunliche Parallelen zum Leben und zur Arbeit. Die meiste Zeit sind wir alle im Fangmodus unterwegs: Fang schnell das, was da gerade kommt. Huch, ein Feuer, bitte schnell löschen. Oh, ein Meeting, da muss ich schnell hin. Wir reagieren. Der Fokus ist immer auf den Ball gerichtet, der auf den Boden zu fallen droht, also das, was am dringendsten ist oder am lautesten schreit.

Was das Jonglieren in dieser Hinsicht lehrt: Der herausfordernde Part ist nicht das Reagieren (Fangen). Sondern das Agieren (Werfen). Wenn ihr wollt, dass es läuft, müsst ihr die Initiative ergreifen. Und zwar mit Ruhe und strategischer Weitsicht, damit ihr so handelt, wie ihr das selbst wollt – und nicht so, wie es die Macht des Faktischen diktiert.

Im Ergebnis müsst ihr euch dramatisch weniger Gedanken um das Fangen machen – das wird viel automatischer passieren. Ihr gewinnt Zeit, verfallt weniger in Hektik und außerdem fallen weniger Bälle auf den Boden, das heißt, ihr seid erfolgreicher.

Werfen ist wichtiger als fangen – und agieren ist wichtiger als reagieren.
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Lektion Nummer 2: Bälle, die auf den Boden fallen, sind Teil des Spiels

Es gibt ein großartiges Buch, um das Jonglieren zu lernen. Der Titel: Juggling for the Complete Klutz. Das Überraschende gleich zu Beginn: Die Autoren beginnen nicht damit, zu erklären, wie man zwei oder drei Bälle in die Luft wirft und wieder auffängt. Die erste Lektion in diesem Buch lautet: Drei Bälle in die Luft werfen und … fallen lassen. Und dann nochmal … fallen lassen. Und nochmal und nochmal … fallen lassen.

Die Idee dahinter ist ebenso verblüffend wie bestechend: Der Jonglieranfänger will die Bälle in der Luft halten, hat also Angst, dass sie herunterfallen. Diese Angst zehrt einen großen Anteil der vorhandenen Aufmerksamkeit und Energie auf, die dann nicht für das Lernen zur Verfügung steht. Angst vor Misserfolg lähmt Erfolg. Das Gegenmittel: Gewöhne dich erstmal an das Herunterfallen, bis du es nicht mehr als Misserfolg empfindest! Und ohne die Angst zu versagen, wird das Jonglieren dann sehr viel einfacher.

Auch hier geht es gar nicht nur ums Jonglieren. Lasst uns mal über Innovation und Experimente sprechen!

Innovation, Experimente und keine Gelinggarantie

Zu experimentieren, also Neues zu entdecken oder zu gestalten, indem ihr es ausprobiert, funktioniert nicht mit der Gelinggarantie in sieben Schritten zum sicheren Erfolg. Es ist Teil des Innovationsspiels, dass immer mal ein Ball runterfällt.

Aber anstatt zu verstehen, dass das schlichtweg dazugehört und eher Begleiterscheinung des Erfolgs ist als Anzeichen für Misserfolg, versucht man in vielen Unternehmen genau das um jeden Preis zu vermeiden. Man konzentriert alle Kraft darauf, die Zahl der Flops zu verringern. Doch damit kommt auch der Innovationsprozess zum Erliegen. Alles Innovative ist mit Fehlschlägen verbunden. Jede einzelne Erfindung, die die Menschheit jemals hervorgebracht hat, ist vorher durch zig Phasen des Nichtfunktionierens gegangen. Die vielen gescheiterten Projekte sind die notwendige Voraussetzung für den einen Erfolg. Ihr müsst eben viele Ideen ausprobieren, damit eine fliegt.

Wer aber die Zahl der Fehlschläge reduzieren will, der kann das ja letztlich nur dadurch, dass er die Zahl der Experimente reduziert, also die Innovationsdynamik einschränkt. Das ist nicht besonders intelligent.

Ein Unternehmen ohne Misserfolge ist kreativ tot!

Alberto Alessi, Gründer der gleichnamigen Designfabrik, sagt dazu: „Wir bei Alessi sind stolz auf unsere Flops. Wenn wir mal zwei oder drei Jahre keine Niederlage erleben sollten, bedeutet das nichts anderes, als dass wir uns in höchster Gefahr befinden. Ein Unternehmen ohne Misserfolge ist kreativ tot!“

Wer nicht loslässt, lässt nichts fallen, aber wer nicht loslässt, kann auch nicht jonglieren lernen.

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