Kill a stupid rule!

Kill stupid rule

Kill a stupid rule!

Peter diskutierte mit dem Führungsteam eines großen Herstellers für Industrie- und Gebäudetechnik über die Geschwindigkeit und Kundenzentriertheit der Organisation. Irgendwann fiel dann dieses Wort. Ein sehr schlaues Wort!

Plötzlich war Stille. Peter konnte den versammelten Gehirnen sozusagen bei der Arbeit zusehen, er konnte es fast rattern hören. Die gesamte Führungsmannschaft dachte nach.

Dann stellte Peter eine konkrete Frage. Die Antwort der Führungskräfte unter allseitigem Nicken: Etwa sieben bis acht.

So hoch! Ab diesem Moment waren alle im Raum hellwach, allen war klar, wo sie ansetzen konnten, ja, mussten.

Vorsicht, hochgiftig!

Ihr findet, wir schreiben in Rätseln … gut, lösen wir das Rätsel gleich auf!

Das sehr schlaue Wort: Verregelungsgrad.

Und Peters öffnende Frage: Wie hoch schätzen Sie den Verregelungsgrad in Ihrem Unternehmen ein – auf einer Skala von 1 bis 10?

1 bedeutet dabei extrem große Freiräume mit nur sehr wenig Verregelung, 10 bedeutet totale Regulierung aller Bereiche.

Geringe Verregelung sorgt für Selberdenken, Selbstorganisation, unternehmerische Entscheidungen aus dem Team, Innovation, Kreativität, Querdenken, Geschwindigkeit.
Starke Verregelung sorgt dafür, dass die Organisation eher früher als später als Dinosaurier aus dem Wettbewerb ausscheidet.

Eine Demütigung aller Mitarbeiter

Wie hoch ist der Verregelungsgrad eigentlich in eurer Firma? Auf einer Skala von 1-10?

Warum die Frage nach dem Verregelungsgrad? Vielleicht habt ihr das auch schon mal erlebt: In so manchem Unternehmen ist alles bis ins letzte Detail geregelt. Jede kleinste Kontrolllücke wird sorgsam vermieden, um sicher zu stellen, dass alles konform zu den Vorgaben und Vorschriften läuft. Das mag der Führungscrew das beruhigende Wissen geben, alles „unter Kontrolle“ zu haben, aber es hat eine toxische Wirkung.

Dahinter steht nämlich die unausgesprochene Unterstellung, dass Mitarbeiter alles, was nicht geregelt ist, sofort und hemmungslos zu ihren Gunsten auslegen würden. Das ist ein Misstrauensvotum und eine Demütigung aller Mitarbeiter, die mit Initiative, Kreativität und Leidenschaft an der Zukunft des Unternehmens arbeiten wollen.

Kundenablenkungsbürokratie – sonst nichts

Was aber mindestens ebenso problematisch ist: Verregelung ist auch eine Form der Kundenablenkungsbürokratie. Mitarbeiter beschäftigen sich dann gar nicht mit dem Kunden, sondern hingebungsvoll mit dem Erfüllen der Regeln. Oder anders gesagt: Das Unternehmen kreist um sich selbst. Bürokratismus, Projekte ohne direkten Kundenbezug, Meeting-Manie, CC-Wahn bei den Mails, Dokumentations- und Berichtsirrsinn, der unglaublich viel Zeit frisst und keinerlei Beitrag zur Wertschöpfung liefert, Cover-your-ass-Mentalität, Verantwortungsabschieberei. Alles in allem: Der gelebte Wahnsinn!

Ein weiteres Problem bei verregelungsintensiven Kulturen ist ihre Selbsterhaltungs- und Expansionstendenz: Es kommen automatisch zu den ohnehin schon zu vielen und zu detaillierten Regeln immer neue Regelungsmechanismen hinzu. Regeln gebären Regeln. Und nur ganz selten sagt jemand: „Das brauchen wir nicht! Schaffen wir doch diese Regel ab!“

Viele Unternehmen sind unschöne Beispiele dafür. Und die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Union sind übrigens auch welche. Bürokratie erzeugt Bürokratie, um sich am Leben zu erhalten. Es geht bei allen Diskussionen immer nur um neue, zusätzliche Regelungen, Gesetze und Verordnungen. Oder habt ihr im Unternehmen oder im Parlament schon mal eine Debatte erlebt, in der es darum ging, Regeln bzw. Gesetze zu streichen?

Deshalb ist die Frage elementar, was radikal vereinfacht und abgeschafft werden kann, um diese Dauerschleife des Um-sich-selbst-Kreisens zu durchbrechen.

Aufatmen!

Ihr braucht eine Machete, um die erste Schneise in den Verregelungsdschungel zu schlagen und den Befreiungskampf zu beginnen. Eine solche Machete hätten wir für euch. Sie heißt: KILL A STUPID RULE!

Diese Übung ist Ideenentwicklung andersherum. Nicht: Was können wir noch zusätzlich machen? Sondern genau das Gegenteil: Was machen wir nicht mehr? Womit ist ab sofort Schluss?

Ihr könnt das mit dem ganzen Unternehmen oder mit einer Abteilung oder einfach nur mit einem Team machen. Die Frage an alle Beteiligten lautet: Wenn du all die dummen Regeln killen oder ändern könntest, die deine Arbeit behindern oder der Wertschöpfung für deine Kunden im Weg stehen, welche wären das?

Unserer Erfahrung nach öffnet diese Frage eine Schleuse: Den Teilnehmern fallen so viele Dinge ein – redundante Prozesse, überflüssige Regeln, dumme Formulare, die auszufüllen sind, unnötige Berichte und so weiter und so fort.

Kill a stupid rule

Unser Tipp: Wenn ihr diese Frage stellt, lasst es dann einfach laufen. Gebt den Leuten Zeit, aber erinnert sie daran, dass es nicht darum geht, externe Gesetze und Verordnungen zu identifizieren, die einfach nicht zu verändern sind, sondern explizit um Hausregeln.

Wenn die „Stupid Rules“ aufgelistet sind, markiert im ersten Schritt die Top5 der blödesten, überflüssigsten, unnötigsten, ärgerlichsten Hausregeln, die alle am meisten nerven. Dann empfehlen wir euch, eine Matrix drüber zulegen: Eine Achse sollte die Implementierung darstellen (von einfach bis zu kompliziert) und die andere die Auswirkung, also den Effekt (von niedrig bis zu hoch), den das Killen dieser Regel hätte. Und dann startet mit den Regeln im Quadranten oben rechts, also allen Regeln, die einfach abzuschaffen wären und eine hohe positive Wirkung davon zu erwarten wäre.

Und dann geht es an!

Belebend, erfrischend, motivierend

KILL A STUPID RULE! – Diese Übung wirkt belebend und motivierend. Ist ja auch logisch: Selber daran mitwirken zu können, dass die Hindernisse und Beschwerlichkeiten der täglichen Arbeit verschwinden und alles, was keinen Wert für den Kunden schafft, abgeschüttelt wird, ist nicht mehr und nicht weniger als eine Befreiung.

Eure Mitarbeiter werden aufatmen. Eure Kunden auch.

Frisches Denken für Ihre Tagung, Kundenevent oder Konferenz!

In ihren Vorträgen zeigen Anja Förster und Peter Kreuz, wie Führungskräfte und ihre Teams erfolgreich durch ein Umfeld der Digitalisierung, Disruption und Komplexität navigieren und sich fit für die Zukunft machen.

„Inspirierend, mitreißend und revolutionär – ein Vortrag der besonderen Art!“
Bayreuther Ökonomiekongress

Sie möchten Förster & Kreuz als Ihre Keynote-Speaker buchen? Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Ähnliche Beiträge

Auszeiten für kluge Entschleunigung Auch wenn Meditation im privaten Bereich längst Zeitgeist ist, mit der Geschäftswelt ist sie einfach nicht kompatibel. - Ein Chef, ein Kollege, ein Mi...
Wie Sie mehr Bücher lesen — jede Menge mehr Wir sind mit einem Virus infiziert. Und es geht uns blendend damit. In den siebziger Jahren kamen wir erstmals mit dem Virus in Kontakt. Angesteckt ha...
Die Kosten-Nutzen-Ratio des Experimentierens Wir haben Seminare entwickelt, für die es nur wenig Nachfrage gab. – Wir haben Vorträge entwickelt, getestet und wieder in die Tonne getreten. Wir hab...


Cookies

Diese Website setzt Cookies ein, um das Angebot nutzerfreundlich und funktionaler zu gestalten. Wenn Sie die Website weiter nutzen, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus. »Mehr Infos