Learning Journey: Reisen und reisen lassen

Reisen bildet - Learning Journey

Learning Journey: Reisen und reisen lassen

Zwar ist Veränderung nicht schlimm, weder für Manager noch für Mitarbeiter, aber keiner will verändert werden. Hinter dem weit verbreiteten Bammel vor der Digitalisierung steckt die Angst, zu Veränderungen gezwungen zu werden – vom Markt, von den Kunden, von der Konkurrenz, von Technologien.

Was eben nicht geht: Ihr könnt Veränderung nicht verordnen. Ihr könnt Veränderung auch nicht argumentieren, denn sie ist kein intellektueller Prozess. Mit Harvard-Professor John P. Kotter sind wir der Meinung, dass die Notwendigkeit gesehen und gefühlt werden muss, damit Menschen Wandel wollen und selbst vorantreiben.

Den intrinsischen Antrieb fördern

Führungskräfte sollten also nicht fragen: Was müssen meine Leute anders machen? Sondern: Wie kann ich bei meinen Leuten den intrinsischen Antrieb fördern, etwas zu verändern?

Darauf gibt es viele Antworten. Peter fand im Februar eine besonders gelungene, nämlich bei der TeamBank AG aus Nürnberg.

Peter ist Mitglied der Jury von TopJob, einer Initiative, die die besten Arbeitgeber im deutschen Mittelstand auszeichnet. Das fränkische Finanzinstitut TeamBank hat diese Auszeichnung bereits zum vierten Mal erhalten.

Reisen ist weise

Diese Banker machen vieles gut, aber eine Sache sticht besonders heraus: Jeder Mitarbeiter in diesem Unternehmen, der besonders weit über den Tellerrand hinausschauen will, der soll schauen. Jeder, der die Welt jenseits der ausgetrampelten Pfade erkunden will, der soll erkunden. Jeder, der erforschen will, was andere in anderen Unternehmen, in anderen Ländern, in anderen Branchen anders machen, der soll forschen. Und wie? Indem er eine Learning Journey unternimmt.

Die Idee: Mitarbeiter verlassen für einen begrenzten Zeitraum den gewohnten Arbeitsalltag und besuchen fremde Orte, Regionen und Länder, lernen neue Arbeitspraktiken kennen, sammeln Lebenserfahrung. Alleine oder zu zweit, für zwei Wochen. Aber nicht im Sinne von Urlaub und Zeitvertreib! Ziel ist es, das Unternehmen mit dem Blick aus der Ferne unter folgender Fragestellung zu betrachten: Bezogen auf meine Verantwortung bei der TeamBank – Welche Ansätze und Ideen gibt es, die uns unserer Vision näher bringt?

Learning Journey: Wer sich auf den Weg machen darf

Im Learning-Journey-Blog im Intranet berichten die Gewinner regelmäßig allen anderen Mitarbeitern über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse. Alle Mitarbeiter sind eingeladen, sich über den Blog mit den Reisenden auszutauschen. So bietet die Reise nicht nur den Reisenden, sondern allen die Chance, Ansätze und Ideen für den eigenen Verantwortungsbereich aus den Reiseerfahrungen abzuleiten.

Natürlich kann nicht einfach jeder losrennen, der gerade Lust hat. Lena Pötzl, Personalentwicklerin bei der TeamBank, hat uns erklärt, welche Mitarbeiter auf welche Weise ausgewählt werden und wie das konkret abläuft:

  • Schritt 1 – Ein Mitarbeiter erstellt ein Reisekonzept: Das Konzept beinhaltet Infos über das Thema der Reise, die Unternehmen, die besucht und die Inhaltsschwerpunkte, die betrachtet werden sollen. Bis zu 14 Tage und 10.000 Euro dürfen für das Konzept dabei eingeplant werden.
  • Schritt 2 – Alle Mitarbeiter stimmen einmal im Jahr über die besten Konzepte ab.
  • Schritt 3 – Die drei Konzepte mit den meisten Stimmen gehen an den Start.
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Learning Journey: Auf zu neuen Horizonten!

Das so zu organisieren ist eine Möglichkeit unter vielen. Überlegt doch mal, wie ihr das Prinzip dahinter auf euer Unternehmen übertragen könnt. Der Kern der Idee ist, dass es nicht die Digitalisierung ist, die die notwendigen oder die gewinnbringenden Veränderungen im Unternehmen anstoßen: Es sind immer die Menschen.

Nochmal: Nicht die Technik ist der Treiber des Wandels! Das ist zu kurz gesprungen. Technologie ist immer nur der Auslöser. Was dann folgt, sind veränderte Kundenerwartungen, neue Wettbewerber, neue Geschäftsmodelle. Und nur die Menschen im Unternehmen sind in der Lage, die Kundenwünsche, die technologischen Veränderungen und die sich verändernden Märkte zu beobachten, Schlüsse zu ziehen, die Punkte miteinander zu verbinden, dazu neue Ideen zu entwickeln und die Schlussfolgerungen in konkretes Handeln zu übersetzen.

Wohin würde Deine Reise führen?

Und das können die Menschen im Unternehmen nur, wenn sie einen offenen Geist kultivieren. Ein sehr guter Weg, um diesen offenen Geist zu kultivieren, ist das Reisen.

Reisen bildet, öffnet die Augen, holt aus der Komfortzone und eröffnet neue Horizonte. Wenn wir es zulassen. Für uns selbst und für andere. Die Frage ist: Lassen wir es zu?

Wie würde deine Learning Journey aussehen?
Wohin würde deine Reise dich führen?

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