One-Pager: Kommen Sie zum Punkt wie Ronald Reagan!

One-Pager - BriefingAls wir in den USA studiert haben, gab es die Möglichkeit, neben dem Kerncurriculum auch sogenannte „Electives“ zu belegen. Einer dieser Electives, also Wahlkurse, der unser Interesse geweckt hatte, hieß „Competitive Intelligence“. Das war extrem spannend! Der Lehrbeauftragte war ein interessanter Typ: Ein ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter des CIA, zu dessen Aufgaben während seiner aktiven Zeit auch das Verfassen von Briefings zur aktuellen Lage in Zentralamerika für Präsident Ronald Reagan zählte.

Das heißt: Dieser Mann beherrschte das Verfassen von Briefings wie kein Zweiter! Reagan war nämlich ausgesprochen allergisch gegen Gelaber und machte deshalb strikte Vorgaben: Briefings für ihn durften nicht länger als eine Seite sein. Auch das Format war vorgegeben und bestand aus exakt folgenden vier Elementen:

  • Das Thema: Hierum geht es und deswegen ist es wichtig, dass der Entscheider sich mit dieser Problematik beschäftigt.
  • Die Fakten: Die Zusammenfassung der allerwichtigsten Tatsachen, die der Entscheider zur Problemstellung kennen sollte.
  • Die Lösungsoptionen: Die Varianten, die dem Entscheider zur Lösung der Problematik zur Auswahl stehen.
  • Die Empfehlung: Die Option, die der Entscheider wählen sollte sowie die Gründe für diese Wahl.

Eine extrem gute Struktur, finden wir! – Dieses Format haben wir im  Rahmen des Kurses bis zum Abwinken trainiert. Und es hat uns seither gute Dienste geleistet, um selbst besser zu strukturieren.

Die Würze der Kürze

Wenn Sie sich nun fragen, wie um Himmels Willen man auf nur einer Seite komplexe Themen sinnvoll erörtern soll: Ja, genau! Hier ist die Bärenfalle aufgestellt: Die Herausforderung wird umso größer, je besser man sich mit einem Thema auskennt.

Der Umfang eines Themas darf bei einem Briefing niemals die Ausrede für einen länglichen Text sein!

Es gibt da dieses wunderbare Zitat, das wahlweise Johann Wolfgang von Goethe, Georg Christoph Lichtenberg, Jonathan Swift, Blaise Pascal oder Heinrich von Kleist zugeschrieben wird:

„Ich schreibe dir einen langen Brief, weil ich für einen kurzen keine Zeit habe.“

Der Punkt ist nämlich: Nicht der Entscheider soll die Zeit beim Lesen aufwenden, sondern der Verfasser beim Schreiben! Durch die Vorgabe des One-Pagers ist der Verfasser dazu gezwungen, wirklich relevante Überlegungen herauszuarbeiten und klar und deutlich in einer logischen Struktur darzustellen.

One-Pager: Eine einseitige Entscheidung

Ein Beispiel gefällig?

Das Thema: Unser Marktanteil geht weiter zurück. Jugendliche wenden sich zunehmend anderen Marken zu. Unsere Marke wird als verstaubt und uncool wahrgenommen.

Die Fakten: In den letzten 6 Monaten ist unser gesamter Marktanteil von 16% auf 12% gesunken. Bei Jugendlichen von 20% auf 10%. Marktforschung zeigt, dass Jugendliche sich vor allem jungen Marken zuwenden, die starke Angebote im mobilen Bereich haben.

Die Lösungsoptionen: Um unseren Marktanteil bei Jugendlichen zu festigen und wieder zu steigern, sehen wir die folgenden Optionen:

  • Wir entwickeln neue und zielgruppenaffine Leistungsangebote, die sich auf Jugendliche fokussieren. Das erfordert starkes Engagement bei allen mobilen Anwendungen.
  • Wir akquirieren einen kleinen unabhängigen Wettbewerber, so wie Facebook beispielsweise Instagram und Whatsapp gekauft hat.

Die Empfehlung: Wir empfehlen aus folgenden Gründen einen Wettbewerber zu kaufen:

  1. Wir haben keine Erfahrung, um neue und zielgruppenaffine Leistungsangebote zu entwickeln.
  2. Wir haben keine Erfahrung bei mobilen Anwendungen.
  3. Wir haben keine Zeit, diese Fähigkeiten zu entwickeln, da unser Marktanteil zu schnell sinkt.
  4. Unsere Barreserven erlauben eine Akquisition.

Ihr Einverständnis voraussetzend, werden wir in den nächsten drei Monaten die besten Optionen ausarbeiten und für das Aufsichtsratsmeeting im Juni eine Vorlage erstellen.

Natürlich beantwortet ein One-Pager nicht alle Fragen, was ja auch gar nicht das Ziel ist. Wenn der Entscheider weitere Infos benötigt, wird er nachfragen und der Ersteller des Briefings wird nachliefern müssen.

One-Pager: Cheftraining

Gut, und was haben Sie davon? Nun, entweder Sie sind Entscheider oder Sie haben es in Ihrem Job mit Entscheidern zu tun.

Wenn Sie Entscheider sind, empfehlen wir Ihnen, bei Ihren Mitarbeitern One-Pager einzufordern. Probieren Sie’s zumindest aus! Ihre Mitarbeiter werden sich mit großer Konzentration mit dem jeweiligen Thema befassen müssen. Damit bekommen Sie bessere Entscheidungsvorlagen, was zu besseren Entscheidungen führt.

Wenn Sie kein Entscheider sind, versuchen Sie sich im Verfassen von einseitigen Briefings, egal ob sie angefordert werden oder nicht! Denn das hilft Ihnen, Klarheit über eine Fragestellung zu gewinnen und die eigenen Gedanken gut zu strukturieren. Sie werden insbesondere zum Priorisieren gezwungen: Sie üben sich darin, das Unwichtige wegzulassen. Dazu müssen Sie das Thema intellektuell wirklich durchdringen und verarbeiten, sonst gelingt das nicht. Was Sie dabei nebenbei trainieren: Verantwortung übernehmen.

Mit anderen Worten: Einen One-Pager zu verfassen bereitet Sie darauf vor, selbst ein guter Entscheider zu werden. 


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