Chefsache: Rebels at Work, Vorbilder und Geschichten

Rebels at work

Chefsache: Rebels at Work, Vorbilder und Geschichten

Neulich haben wir Post bekommen. Keine E-Mail, sondern einen Brief. Auf Papier. Im Umschlag. Mit Briefmarke. Ein Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens aus dem Produktionsgewerbe schreibt uns: Er kenne unsere Bücher, lese auch unsere Beiträge und fände die Rebels-at-Work Community ganz toll. Ihm sei vollkommen klar, wie wichtig es sei, solche Menschen im Unternehmen zu haben und sich mit solchen Menschen auszutauschen, allerdings: Bei ihm gäbe es solche Leute leider nicht.

Wir haben dann recherchiert, weil wir neugierig waren: Unternehmens-Website? Altbacken. Soziale Medien? Fehlanzeige. Das Unternehmen existiert im Social Web schlichtweg nicht. Der Geschäftsführer selbst ist bei Facebook, allerdings eher passiv: Man kann ihn finden, aber er postet nichts. Bei kununu sind Feedbacks über das Unternehmen ziemlich durchwachsen. Unser (wirklich freundlich formulierter) Vorschlag an diesen Geschäftsführer, der die Rebels at Work in seinem Unternehmen vermisst: Lebe vor, was du im Unternehmen sehen willst! Bereite ein passendes Umfeld für die Rebels, und dann werden solche Menschen auch in deinem Umfeld auftauchen und nicht einen großen Bogen um dein Unternehmen machen!

Und nochmal allgemeiner: Hier sind zwei Punkte zum Nachdenken für alle, die gern mehr Rebellen in den eigenen Reihen sehen würden … und sich fragen, wo diese wundersamen Typen sich eigentlich verbergen.

1. Geh voran!

Rebels at Work, das sind Gestalter, die sich auf die Fahne geschrieben haben, ihr Unternehmen von innen heraus zu verändern. Die Rebels wirken anziehend auf andere Gestalter, gerade weil sie neue Wege gehen, weil sie mutig sind. Und weil sie überzeugende Geschichten erzählen können über das, was sie bewegt haben.

Zum Beispiel Cawa Younosi, der Personalchef bei SAP Deutschland. Er bezeichnet sich selbst und sein Team als „HR-Punks“. Bei unserem Rebels-Event bei SAP hat er darüber gesprochen, dass er selbst ein Anschieber und Veränderer ist und dass er bei SAP dicke Bretter bohrt. Ein solches dickes Brett ist beispielsweise die Regelung, dass seit Anfang 2018 jede (!) Führungsposition bei SAP so ausgeschrieben wird, dass sie von zwei Mitarbeitern als Tandem besetzt werden kann – und zwar so, dass beide Tandempartner den Führungsjob in Teilzeit machen können.

Job-Tandems in normalen Positionen sind ja auch in anderen Unternehmen bereits verbreitet, aber das auch bei jeder Führungsposition zu machen, ist ein Bruch mit den üblichen Prinzipien und hat innerhalb und außerhalb des DAX-Konzerns hohe Wellen geschlagen. Und das ist nur ein Beispiel von vielen ungewöhnlichen Dingen, die er als HR-Punk bei SAP eingeführt hat. Wer sich selbst so betitelt, muss eben auch liefern – darauf geht Younosi in seinem TEDx Talk ein.

Wir finden, Cawa Younosi ist ein Vorbild für uns alle, wie Führungskräfte selbst mit gelebtem Handeln vorangehen. Das ist immer der erste Schritt und der ist deshalb so wichtig, weil es anstiftend auf andere Menschen im Unternehmen wirkt. Also: Nur davon reden, dass es klasse wäre, mehr Gestalter und Rebels at Work in den Reihen zu haben, aber selbst nichts in diese Richtung vorzuleben, das kann nicht funktionieren! Das ist Pseudo-Rebellentum mit Pseudo-Handeln und Pseudo-Realitäten.

Die Rebels sind schon da …

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Wir werden nicht müde zu betonen, dass die Rebels at Work in den meisten Fällen bereits im Unternehmen sind. Sie müssen nicht angeheuert werden! In vielen Unternehmen gibt es bereits Mitarbeiter, die neue Vorgehensweisen beispielhaft verkörpern und nur darauf warten, entdeckt und gehört zu werden.

Wenn es jedoch keine glaubwürdig vorgelebten Signale von der Spitze gibt, ist es vollkommen nachvollziehbar, dass sich die potenziellen Organisationsrebellen bedeckt halten. Sie würden sonst ja riskieren, den Unmut der Gralshüter des Status quo auf sich zu ziehen.

Deshalb ist es so wichtig, dass die Unternehmensspitze glaubhaft vorangeht – und das eben nicht nur mit schönen Worten.

Und wenn die Sache so weit gediehen ist, dass sich die Rebels at Work in den eigenen Reihen aufspüren lassen, dann heißt es: Lasst sie machen! Gebt ihnen ein paar (aber nicht zu viele) Spielregeln und dann lasst alle anderen wissen, dass diese Protagonisten den neuen Weg verkörpern.

Dafür noch einen Tipp: Verschwende keine wertvolle Zeit (zumindest jetzt noch nicht) mit den Gewohnheitsbürokraten, den Vorrechteverteidigern, den Komfortzonenbewohnern, die ihre Plüschsessel im Firmensitz nicht aufgeben wollen! Das kostet viel Energie, und die solltest du besser in die Gestalter, Veränderer und Organisationsrebellen investieren, bis die stark genug sind.

2. Erzähl Geschichten!

Veränderung lässt sich weder planen noch verordnen. Die Aufgabe des Chefs ist es nicht, Veränderung zu „implementieren“, Widerstände zu „überwinden“ oder Veränderer extern anzuheuern, sondern ganz einfach: die Veränderer in den eigenen Reihen zu finden und gezielt zu fördern. Wenn du weißt, wer sie sind, dann kannst du sie auch dazu anstiften, weitere, neue, zukunftsgestaltende Projekte ins Leben zu rufen und daran zu arbeiten.

Das Vorgehen, um den Weg dafür zu ebnen, geht so: Zuerst musst du die Veränderer finden. Wie findest du sie? – Durchstreife die Organisation und mach die Leute ausfindig, die coole, ansteckende Geschichten vorzuweisen haben! Geschichten, die davon erzählen, wie sie etwas verändert und bewegt haben.

Veränderer im Scheinwerferlicht

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Nachdem der Scheinwerfer auf die Veränderer gerichtet ist, übernimmt der Chef im Wesentlichen die Rolle des Organisators, Anfeuerers, Beschützers und Chronisten.

Was in diesem Zusammenhang immer wieder auffällt: Die Veränderer haben oftmals keine Top-Position oder große formale Macht, das heißt: Das System hat sie noch nicht vereinnahmt.

Diese Leute sind wertvoll für das Unternehmen. Deshalb müssen ihre Geschichten publik gemacht werden. Eine Führungspersönlichkeit muss in der Lage sein, schlüssige Geschichten zu erzählen! Geschichten, die Engagement hervorrufen.

Das zahlt sich aus, denn diese Geschichten helfen den anderen, die Mauer der Trägheit zu überspringen und zeigen einen Weg auf, dem die anderen folgen können – die Geschichten bringen die Organisation in Bewegung. Sie geben implizit die Erlaubnis zum Handeln. Sie weisen auf das hin, was verstärkt werden soll. Sie bringen etwas ins Rollen. Sie verbinden. Sie sind so wertvoll, dass es ein Frevel wäre, sie nicht zu erzählen!

Wir haben zum Storytelling in Unternehmen schon mal den Beitrag „Helden des Alltags – und butterweich wird hart“ geschrieben.

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Wenn du also die Rebels at Work in deinem Unternehmen oder deinem Team vermisst: Lebe vor, was du sehen willst! Erzähl Geschichten – und bereite den Nährboden für die Rebels – dann werden solche Menschen auch in deinem Umfeld auftauchen.

 


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