Schiffbruch mit Delfin

Warum es sich lohnt, Dogmen und Überzeugungen zu hinterfragen

Schiffbruch mit Delfin

Der griechische Philosoph Plutarch bezeichnete sie als „Freund aller Menschen, der ihnen häufig wertvolle Hilfe gewährt“. – Die Rede ist von Delfinen, die Schiffbrüchige vor dem Ertrinken retten, indem sie sie an die Küste tragen.

Weil die Geschichten über die lebensrettenden Meeressäuger zu allen Zeiten und in allen Kulturen immer wieder auftauchen, haben sich auch Forscher mit diesem Phänomen beschäftigt. Sie packten eine Gruppe von Delfinen in ein großes Wasserbecken, warfen einen großen schweren Ball hinein und schauten, was passierte. Die Tiere stürzten sich mit großer Begeisterung auf den Ball und schoben ihn wild im Becken herum. An diesem Spiel haben sie offensichtlich eine gigantische Freude.

Und genau das ist der Punkt: Delfine tragen im Wasser treibende Menschen nicht an die Küste, um sie zu retten. Sondern sie spielen mit ihnen und wenn der Schiffbrüchige Glück hat, dann verlieren sie die Lust am Spiel erst in Küstennähe. Das heißt leider auch, dass für jeden Geretteten, der von ihnen in Richtung Land gestupst wurde, wahrscheinlich drei andere Schiffbrüchige in die anderen Richtungen getragen wurden. Das sind die, die dann nicht mehr über ihr Delfin-Abenteuer berichten konnten…

Dumm nur, dass jeder Gerettete ein weiterer Beweis für die Richtigkeit der These ist, dass Delfine menschenfreundliche Wesen sind – die Nicht-Geretteten finden kein Gehör.

Wir Menschen neigen dazu, das zu sehen, was wir sehen wollen und was unseren Glauben untermauert. Wenn die Geschehnisse mit seinen vorgefassten Meinungen übereinstimmen, fühlt sich Homo Sapiens bestätigt, den Rest blendet er aus. Der Effekt: Je mehr wir glauben, desto weniger hinterfragen wir. Und desto weniger wissen wir.

Einziges Heilmittel gegen diesen Selection Bias ist eine konsequent ketzerische Grundhaltung: „Warum glaube ich eigentlich, was ich glaube?“ Halten Sie also Ausschau nach Irritationen, nach Widersprüchen und Musterbrechern. Hinterfragen Sie generell alle Standard-Aussagen, um die Dogmen unter ihnen zu entlarven.

Unser Vorschlag: Seien Sie öfter mal ein Ketzer!

Fangen Sie gleich damit an! Hier ein paar Wahrheiten, die Sie getrost hinterfragen dürfen:
– „Arbeit ist da, wo ich hinfahre.“
– „Karriere machen bedeutet, mehr Geld zu verdienen.“
– „Wenn jeder macht, was er will, bricht alles zusammen.“
– „Professionell ist derjenige, der Privates draußen lässt.“

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