So vermeidet ihr intellektuelle Verstopfung

Intellektuelle Verstopfung in Teams vermeiden

Ihr habt ein Problem zu lösen, wollt etwas machen, was ungewöhnlich und clever ist – wer von uns hätte da nicht gerne die Besten und Intelligentesten in seinem Team? Aber wisst ihr was? Egal wie intelligent die einzelnen Teammitglieder auch sind, wenn ihr eine homogene Truppe habt, werdet ihr nicht viel reißen können. Uniformität führt häufig zu intellektueller Verstopfung.

Viel besser als mit unglaublich klugen Teammitgliedern fahrt ihr mit Menschen, die schlicht und ergreifend A-N-D-E-R-S sind.

Wenn Diversität schon da ist, nutzt sie. Und wenn sie noch nicht da ist, schafft sie. Das heißt: Arbeitet nicht mit möglichst homogenen Teams aus lauter hoch qualifizierten Leuten mit nahezu perfektem Lebenslauf, die sich höchstens durch die Haarfarbe und das Brillengestell unterscheiden. Sondern würfelt Teams aus den unterschiedlichsten Leuten, gemischtgeschlechtlich, aus verschiedensten Altersstufen mit buntem Erfahrungshintergrund und Fähigkeitenprofil zusammen.

Und zwar nicht deshalb, weil das gerade zum Zeitgeist passt und sich irgendwie menschlich oder sozial anhört. Sondern weil bunte Teams einfach besser sind!

Der Sozialwissenschaftler Scott Page von der Princeton University hat mit seiner Studie herausgefunden, dass Diversität Begabung schlägt: Teams mit vielen „Anderen“ entwickeln viele sehr unterschiedliche Lösungsansätze, die sich teilweise ergänzen, sich aber auch teilweise widersprechen – und in einem konstruktiven Wettbewerb gegeneinander antreten. Die Teams der „Besten“ dagegen denken untereinander ähnlich und können sich darum nicht gegenseitig herausfordern. Das Ergebnis: Das Team der „Anderen“ liefert schneller, mehr und originellere Lösungsansätze und kann die Probleme besser lösen. (Nachzulesen im Buch von Page: „Difference – How the Power of Diversity Creates Better Groups, Firms, Schools and Societies“)

Zwei Tipps für Euch:

1. Achtet bei Neueinstellungen oder beim Formieren von Teams darauf, dass die Menschen nicht dem genormten Einheitsbild entsprechen. Sind sich alle sehr ähnlich, ist die Gefahr groß, dass vorwiegend Argumente diskutiert werden, die den Konsens stützen. Das ist die Geburtsstunde der Schafsherde – auch wenn das in so manchem Unternehmen als ‚Teamgeist‘ gepriesen wird. Nehmt lieber die Leute mit Ecken und Kanten! Die mit den interessanten Lebensläufen. Mit den spannenden Backgrounds. Aber bitte: Keine Quoten mit Alibi-Funktion, sondern echte Diversität!

2. Wenn ihr etwas machen wollt, was euch in der Wahrnehmung eurer Kunden alles, außer gewöhnlich werden lässt, dann nutzt die Idee der Diversität, indem ihr ganz bewusst über den Tellerrand der eigenen Branche schaut.

Macht es wie BMW, deren Steuerungssystem „iDrive“ auf der bewährten Joystick-Technologie aus der Computerspiel-Branche basiert. Oder wie der Skihersteller, der sich bei Geigenbauern nach geeigneten Beschichtungen für die Kontrolle von Schwingungen im hochfrequenten Bereich erkundigte. Oder wie Nike, die sich mit Apple zusammentaten um einen Sportschuh zu entwickeln, der Daten wie Strecke, Laufzeit oder verbrannte Kalorien sammelt und anzeigt.

Oder wie in den vielen Beispielen, die wir schon beschrieben haben:

Wie der Matratzenhersteller, der von der Autoindustrie lernt und ein Matratzenflottenmanagement entwickelt.

Wie das Krankenhaus, das mit Ferrari kooperiert um Operationen so gut zu organisieren wie Formel-1-Boxenstopps.

Wie das Restaurant, das sich an Theatervorstellungen orientiert.

Wie ein Airbag-Hersteller, der sich von einem Origami-Papierfaltkünstler unterstützen lässt.

Wie die Ärzte und Schwestern, die sich von der Lufthansa schulen lassen.

Eine Vielzahl unterschiedlicher Lebenserfahrungen und gegensätzlicher Perspektiven erzeugt immer eine kreative Spannung, die zu interessanteren Ideen führt und intellektuelle Verstopfung vermeidet.